Barrierefreie Hochschule – Hürden überwinden

Das Deutsche Studentenwerk hat in seiner 16. Sozialerhebung festgestellt, dass 15% aller Studierenden in Deutschland angeben, behindert oder chronisch krank zu sein. Ein eindeutiger Indikator dafür, dass die Hochschulen besser auf die Bedürfnisse dieser Gruppe eingehen müssen.

Auch an unserer Universität ist festzustellen, dass es Menschen mit körperlichen Einschränkungen weitaus schwerer haben, als andere. Die Hochschule ist daher sogar durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz rechtlich dazu verpflichtet auch ihnen ein optimales Studium zu ermöglichen. Daher fordern wir:

Barrierefreie Studien- und Prüfungsordnungen

Auch für behinderte und chronisch kranke Menschen müssen angemessene Bedingungen in den Prüfungen bestehen. Eine Möglichkeit wäre daher, dass bei der Online-Prüfungsanmeldung schon gesondert angegeben werden kann, dass die Prüfung an einem Computer oder mündlich abgelegt werden soll und dass gegebenenfalls eine Prüfungszeitverlängerung beantragt werden kann, um den bürokratischen Aufwand für diese KommilitonInnen zu verringern.

Barrierefreie Gebäude

Unsere Universität hat die Gebäude teilweise mit Rampen versehen und am Campus Essen auch schon einige wenige behindertengerechte Toiletten eingeführt. Dies reicht jedoch nicht! Um den Studierenden ein optimales Studium zu ermöglichen, müssen die Wege zwischen den Gebäuden für RollstuhlfahrerInnen gerecht ausgebaut werden, an allen Gebäuden Rampen und Handläufe montiert werden, die Aufzüge müssen behindertengerecht umgebaut werden (Tastenfeld nach unten verlegen und mit Brailleschrift versehen, zudem Lautsprecher für die Ansage der Etage einbauen). Außerdem müssen Räume groß, kontrastreich und zusätzlich in Braille beschildert, sowie die Seminarräume und Hörsäle rollstuhlfahrergerecht umgebaut werden. Gerade in den Bibliotheken stehen behinderte KommilitonInnen vor großen Problemen. Dem muss dringend Abhilfe geschaffen werden. Durch besondere Angestellte oder Personen im sozialen Jahr sollte seitens der Hochschulverwaltung ein Assistenznetz aufgebaut werden, das KommilitonInnen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung im Studienalltag unterstützt. Nicht zuletzt muss auch das Studentenwerk Maßnahmen ergreifen, so dass auch in den Mensen, Studentenwohnheimen und allen anderen Einrichtungen Studierende mit Behinderung leichter ihren Platz finden können.

Barrierefreie Informationen

Die Computerpools an der Universität müssen so ausgestattet sein, dass sie auch von Menschen mit Sehbehinderung genutzt werden können. Wir fordern mindestens einen Arbeitsplatz pro Computerpool mit der Möglichkeit der Braille-Übersetzung des Bildschirminhaltes. Auch muss es zukünftig in allen Bibliotheken ein Bildschirmlesegerät geben. Alle der Universität und des Studentenwerkes zugehörigen Internetseiten müssen auf ihre Barrierefreiheit überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

Zuständigkeit schaffen

Unsere Universität soll sich ein Beispiel am Dortmunder Zentrum Behinderung und Studium (DoBuS) an der TU Dortmund nehmen und auch an der UDE eine Anlauf- und Koordinationsstelle für diese Statusgruppe schaffen. Diese Stelle muss sich zudem damit befassen ein chancengleiches Studium für Studierende mit Behinderung zu schaffen. Das DoBuS bietet allen Universitäten an, sie zu beraten und zu unterstützen, ebenfalls den Weg zu einer barrierefreien Hochschule und barrierefreier Didaktik einzuschlagen. Unsere Universität muss also nur die Bereitschaft zeigen, sich auf dieses Thema einzulassen.

Wie sich hier zeigt, hat unsere Universität starken Nachholbedarf in allen Bereichen. Wir als Juso  HSG fordern eine schnelle und konsequente Umsetzung der infrastrukturellen Maßnahmen, um ein barrierefreies Studium möglich zu machen! Der AStA als Vertreter der Interessen aller Studierenden ist auch hier besonders in die Pflicht zu nehmen. Besondere Artikulation der Interessen behinderter oder chronisch kranker KommilitonInnen muss durch eine enge Zusammenarbeit des AStAs und der Beauftragten für behinderte Studierende gewährleistet werden, damit so die Aufgabe zu informieren und die Hochschulverwaltung auf Missstände hinzuweisen sowie Handlungen einzufordern, erfüllt werden kann. Daher unterstützen wir die Bildung eines autonomen AStA-Referats für behinderte und chronisch kranke Studierende an unserer Hochschule und versprechen dieses Vorhaben im kommenden Jahr in den Gremien voranzutreiben.