Bologna – Reform der Reform, endlich!
Im Jahr 1999 unterzeichneten 29 europäische Bildungsminister im italienischen Bologna eine Erklärung zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulwesens. Viel hatte man sich vorgenommen, vieles sollte einfacher werden. Nun schreiben wir das Jahr 2011 und nur wenige dieser ehrgeizigen Ziele konnten erreicht werden.
Es waren die Bildungsstreik-Proteste und die deutschlandweite Besetzung von Hörsälen im Jahr 2009, die die Missstände in der Hochschulpolitik in die Öffentlichkeit trugen. Nun ist es aber an der Zeit, dass endlich auch Taten folgen. Bisher haben längst nicht alle Parteien und Politiker begriffen, dass man sich mit den aktuellen Zuständen von Bachelor und Master den akademischen Nachwuchs versaut. Die nordrhein-westfälische SPD hat hier den ersten Schritt gemacht: In ihrem Programm sind viele Punkte zur Aufarbeitung der Probleme formuliert. Es liegt aber ebenso an uns Studierenden und den VertreterInnen der akademischen Selbstverwaltung, dafür zu sorgen, dass diese Dinge auch umgesetzt werden! Die Juso HSG ist wie keine andere in den verschiedenen Gremien der Universität vertreten und engagiert. Wir wollen dieses Engagement weiterführen und die Korrekturen an Konzeption und Umsetzung der Bachelor- und Master-Studiengänge weiter vorantreiben. Wir tun dies aber nicht nur in Duisburg und in Essen – wir sind über unsere Verbände in ganz Deutschland vernetzt und verfügen dadurch über eine große studentische Lobby.
Wir setzen uns ein für eine bessere Ausgestaltung von Bachelorstudiengängen. In der Umstellungsphase wurde oft das alte Diplom in Bachelorformen gepresst. Die Folgen waren uneinheitliche Prüfungsvorschriften und Studienordnungen und ein viel zu großer Arbeitsaufwand durch die Studienzeitverkürzung auf 6 Semester. Wir wollen daher eine Verlängerung der Regelstudienzeit, die momentan sowieso nur auf dem Papier existiert, und die konsequente Neugestaltung der Lehrpläne. Dazu fordern wir die Schaffung von Möglichkeiten eines Teilzeitstudiums, das je nach Lebenslage das freie Wechseln zwischen Voll- und Teilzeit erlaubt. Dafür ist aber auch notwendig das BAföG zu reformieren und endlich an das neue System anzupassen.
Wir wehren uns gegen die Ökonomisierung der Hochschule. Unsere Universität soll nicht wie ein großes Unternehmen agieren, das sich dauerhaft im Wettbewerb befindet und diesen auf dem Rücken der dafür zahlenden Studierenden (den „Kunden“) austrägt.
Wichtig ist außerdem die einheitliche Berechnung der ECTS (Leistungs-)Punkte. Eines der großen durch Bologna angestrebten Ziele war die bessere internationale Vergleichbarkeit der Studiengänge und damit das Vereinfachen der Wechselmöglichkeiten zwischen den Hochschulen. Das gelingt bis jetzt allerdings nicht einmal innerhalb des eigenen Landes besonders gut. Dies muss sich ändern! Schließlich fordern wir mehr Freiheit durch Selbstbestimmung im Studium. Die oftmals hervorgehobene Konzentration auf das „Wesentliche“ im Bachelor führt häufig zu Schwierigkeiten bei der Anerkennung darüber hinaus gehender Leistungen. Wir fordern mehr Wahlmöglichkeiten und das Ideal einer möglichst breiten, selbstverantwortlichen Bildung der Studierenden!
Wir setzen bei dem Erreichen dieser Ziele aber nicht nur auf unsere eigenen Stärken. Wir halten es für wichtig, eine enge Zusammenarbeit mit den Fachschaftsräten zu pflegen, um somit die Kräfte beider Ebenen der studentischen Interessenvertretung zu bündeln.





