Mastergarantie und Zulassungsfreiheit
Laut der NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze, fingen zu diesem Wintersemester 115.000 Erstsemester in NRW ihr Studium an. Dies entspricht einer Steigerung von rund 18% zum Vorjahr. Durch die Abschaffung der Wehrpflicht und durch den doppelten Abiturjahrgang (in NRW 2013), kommen auf einen Schlag immer mehr StudienanfängerInnen an die Hochschulen. Der Ausbau von Studienplätzen ist jedoch Mangelware. So wie der Bologna-Prozess ruckartig kam und die Hochschulen mit den neuen Prüfungsordnungen hinterher hinkten, sie lieber schnell als tatsächlich verwertbar anwendeten, genauso „plötzlich“ bewerben sich mehr Studierende auf einen Studienplatz, ehe die Kapazitäten auch nur in Sichtweise sind. Wieder einmal hinkt das Bildungssystem der Realität hinterher und die Befürchtung ist groß, dass die Hochschulen mit verschärften Zulassungsbeschränkungen dem Schwall der StudienanfängerInnen entgegentreten wollen!
Studienplatzmangel ist kein neues Problem. Schon lange beklagen wir den Mangel an Bachlorstudienplätzen, doch gravierender noch ist der Mangel an Masterstudienplätzen. Alle Studierenden gehen mit dem ewigen Druck im Hinterkopf an die Hochschule, in der Regelstudienzeit ihren Bachelor zu absolvieren und dies am Besten noch mit einer Eins vor dem Komma um auch nur einen Hauch einer Chance auf einen Master-Platz zu besitzen. Denn dem Bachelor, durch den die Studierenden gejagt werden, um schnellstens in der Welt der Wirtschaft als AkademikerInnen die hinterlassenen Lücken zu schließen, wird genau von denen, die die Sechs-Semester-Regel eingeführt haben, nicht einmal der Wert eines Vordiploms zugesprochen! Die Tatsache, dass bestenfalls 20 % aller Studierenden eines Fachs Anspruch auf einen Masterplatz an dieser Hochschule haben, verdeutlicht noch einmal die Chancenungleichheit und die verwehrte Chance, sich zu etablieren. Ein System, das nur so wenigen Studierenden eines Jahrgangs einen Masterplatz zusichert, damit aber nicht einmal die AbsolventInnen dieser Hochschule meint, sondern bundes- bzw. europaweit offen ist, muss denjenigen, die bereits an dieser Hochschule ihren Status erarbeitet haben, eine ernsthafte Chance geben. Es kann nicht sein, dass vielen erfolgreichen Studierenden diese nicht gewährleistet wird. Sogar eine längst veröffentlichte wissenschaftliche Studie leistet Erkenntnisse, unter anderem über die berechtigten Ängste vieler zukünftiger Bachelor-AbsolventInnen: Es ist Fakt, dass Studierende aus Akademiker-Familien die größte Chance haben, sich erfolgreich für einen Bachelor- bzw. Masterplatz zu bewerben. Durch den hohen Leistungsdruck geraten auch die Besten unter der Studierendenschaft in psychische Probleme, suchen die psychologische Beratungsstellen der Hochschulen auf oder brechen gar komplett ihr Studium ab. Denen, die es dann doch in sechs Semestern durchziehen wollen und können, bleibt keine Zeit mehr für Engagement über die zu erbringenden Studienleistungen hinaus. Arbeit in Fachschaften oder anderen studentischen Gremien oder dem Blick über die Vorlesungsfolien hinaus, leisten sich die wenigsten. So können sich die Studierenden an der Gestaltung unserer Hochschule nicht beteiligen und eine Identifizierung mit der Hochschule bleibt aus. So wird noch einmal eine soziale Ungleichheit an der Hochschule verdeutlicht, die nicht nur Einfluss auf den Zugang zu dieser dank des Numerus Clausus hat, um überhaupt den Bachelor erhalten zu können, sondern sich viel tiefer in den Strukturen der Universität manifestiert hat. Es kann nicht sein, dass eine veraltete Regel in Form des Numerus Clausus aus den 60er/70er Jahren, der vom Bundesverfassungsgericht nur bei tatsächlichen Kapazitätsengpässen zugelassen wurde, bis heute keine Reform erlebt hat. Stattdessen ist Studieninteressierten mit Fachhochschulreife die Möglichkeit genommen worden, an der UDE ein Studium aufzunehmen. Die Möglichkeiten für ein Studium ohne Abitur sind im Vergleich mit nahezu allen anderen Bundesländern in NRW katastrophal.
Daher fordern wir eine bundesweite Regelung, die allen Studierenden grundsätzlich erlaubt, das Studieren ohne Zulassungsbeschränkung zu ermöglichen. Auch der Zugang für beruflich Qualifizierte und BewerberInnen mit besonderer fachlicher Eignung muss erleichtert werden. Wir fordern eine sozial gerechte, auf der Lehre und nicht auf den Bedürfnissen der Wirtschaft basierende Qualität, die den Bachelor nicht abwertet. Darüber hinaus sollten Studierende, die den Bachelor absolviert haben, auch die Möglichkeit erhalten, einen Master-Platz zu bekommen Alle, die einen Master studierenden möchten, sollten hierfür auch die Chance haben! Wichtig ist außerdem die einheitliche Berechnung der ECTS (Leistungs-)Punkte. Eines der großen durch Bologna angestrebten Ziele war die bessere internationale Vergleichbarkeit der Studiengänge und damit das Vereinfachen der Wechselmöglichkeiten zwischen den Hochschulen. Das gelingt bis jetzt allerdings nicht einmal innerhalb des eigenen Landes besonders gut. Dies muss sich ändern! Schließlich fordern wir mehr Freiheit durch Selbstbestimmung im Studium. Die oftmals hervorgehobene Konzentration auf das „Wesentliche“ im Bachelor führt häufig zu Schwierigkeiten bei der Anerkennung darüber hinaus gehender Leistungen. Wir fordern mehr Wahlmöglichkeiten und das Ideal einer möglichst breiten, selbstverantwortlichen Bildung der Studierenden und die Chance für Studierende, sich selbst zu verwirklichen!





