Werbefreie Hochschule
Seit ein paar Jahren ist ständige Präsenz von Werbung ein übliches Bild an deutschen Hochschulen – auch bei uns in Duisburg und Essen. Vor allem durch Plakate, Flyer oder Werbestände in den Mensen, betreiben viele Unternehmen eine „zielgruppenorientierte Werbung“. Diese bedient sich unter anderem der in der Natur der Sache liegenden Ausdifferenzierung innerhalb der Studierendenschaft, die durch die Aufteilung in die verschiedenen Fachbereiche zwangsläufig entsteht. Mit anderen Worten, die Werbung wird zielgruppenorientiert an die verschiedenen „Typen“ von Studierenden gebracht. Eine Maschinenbauerin kann beispielsweise anders beworben werden als ein Geisteswissenschaftler. Studierende werden hier in erster Linie als zukünftig zahlungskräftiger Leistungsträger betrachtet, dessen Potential man in seiner Prägungsphase bereits für sich gewinnen will.
Werbung an deutschen Hochschulen ist vom Gesetzgeber erst durch die Änderung des Hochschulrahmengesetzes im Jahre 1996 ermöglicht worden. Hier wurde das vorherige Werbeverbot für Räumlichkeiten der Hochschulen aufgehoben und der zukünftige Umgang mit Werbung im universitären Umfeld in die autonome Verantwortung der Hochschulen selbst gelegt. Wir sehen die wachsende Präsenz von Werbung an Hochschulen mit Skepsis, insbesondere weil in ihr eine Intensivierung der Verhältnisse bereits angelegt ist, sollte sie zumindest härter reglementiert werden. Bundesweite Einzelfälle wie z.B. an der FU Berlin im vorvergangenen Jahr zeigen heute bereits, welche Auswüchse in diese Richtung möglich sind. Damals wurde bekannt, dass die FU Berlin für die Unternehmensberatungsgesellschaften McKinsey und Boston Consulting die „besten 10–15 %“ Vordiplomnoten zur Verfügung stellte, um somit den Unternehmen gezielte Werbung per Post zu ermöglichen. Wir fordern deswegen klare Verhältnisse – eine werbefreie Hochschule, in der Reklame, die keine Relevanz für Forschung oder Lehre besitzt oder aus der Studierendenschaft kommt, keinen Zutritt hat!





